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GSI – Gesellschaft für Schweißtechnik international mbH
Niederlassung BZ Rhein-Ruhr
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Vom Praktikum zur Meisterin | -ein Interview

Claire-Michelle P.: "Schweißtechnische Kenntnisse und Fertigkeiten ergänzen meine bisherigen Fähigkeiten und machen sie nahezu komplett."

Industriemeisterin Claire-Michelle P. absolviert eine Qualifizierung in der Schweißtechnik

Claire-Michelle P. ist aus dem Ruhrgebiet, sie ist 30 Jahre jung, eine jugendliche, sportliche Frau. Sie absolviert zur Zeit eine schweißtechnische Qualifizierung im SLV Bildungszentrum Essen (SLV). Als Industriemeisterin erzählt sie von ihren Erfahrungen in der Metallbranche. Dass sie sich zuerst in einem sozialen Beruf sah, kann stellvertretend stehen für einen durchaus üblichen, wenn nicht gar typischen, Werdegang junger Frauen im Übergang Schule und Beruf. Frauen in metall- und schweißtechnischen Berufen sind noch immer eine Rarität. Umso relevanter ist es, dass wir über die Erfahrungen von Frauen in metalltechnischen Berufen sprechen können.  – Ein Interview.

SLV: War Ihnen schon immer klar, dass Sie einen Metallberuf anstreben werden?

C.M.: Nach dem Realschulabschluss folgte erstmal das Berufskolleg für „soziales“ in Herford. Dort fiel dann zuerst meinem Mathematiklehrer mein technisches Interesse auf. Ich habe das gar nicht so einordnen können. Dass ich eher am benachbarten technischen Berufskolleg meine Berufung finden würde, verdanke ich also ihm – da sag ich an dieser Stelle vielen Dank.

SLV: … und haben Sie die Berufsschule gewechselt?

Nach einem metalltechnischen Praktikum habe ich in einem mittelständischen Unternehmen eine Ausbildung zur Industriemechanikerin mit Schwerpunkt Anlagen- und Maschinenbau begonnen. Ich war 22 Jahre und die einzige Frau. Das war der Startschuss für alles Folgende.

SLV: Industriemechanik -  auch heute noch ein eher von Männern bevorzugtes Berufsfeld. Was sind Ihre Erfahrungen?

C.M.: In meiner Berufsschulklasse waren zwei weitere Frauen, welche die Ausbildung absolvierten. Demgegenüber standen 22 männliche Auszubildende. Man kann also sagen, dass wir Frauen in der klaren Minderheit gewesen sind. Im Berufsschulalltag war das aber kein Thema. Da ging es um theoretische und praktische Leistungen. Nach meiner Wahrnehmung sind die Auszubildenden sehr auf ihren Berufsabschluss fokussiert gewesen. Ein gutes Team.

SLV: Hatten Sie bereits einen Plan für die Zeit nach Ihrer Ausbildung?

C.M.: In meinem Ausbildungsbetrieb hatte ich immer guten Support und Unterstützung erfahren. Nach bestandener Abschlussprüfung wurde ich von dem Ausbildungsunternehmen übernommen. Ich war und bin sehr glücklich darüber, dass sich meine Leistung ausgezahlt hat. Insgesamt war ich 7 Jahre in dem Betrieb beschäftigt. Eine gute Zeit! Natürlich habe ich mir über Perspektiven und damit über das Thema Weiterbildung Gedanken gemacht und mich schlussendlich an der Meisterschule angemeldet.

SLV: Das klingt nach einem Masterplan und nach Doppelbelastung…

C.M.: (lacht) Ja, das stimmt! Es war finanziell und zeitlich eine Herausforderung. Es war aber auch eine sehr lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte. Mir war klar, dass ich im weiteren Berufsleben mit Vorurteilen zu rechnen haben würde und natürlich hilft es, solchen Vorurteilen mit Fachkompetenz entgegenwirken. Die Meisterschule habe ich aus eigenen finanziellen Mitteln gestemmt und konnte sie berufsbegleitend in Teilzeit absolvieren und abschließen. Für mich war das an dieser Stelle ein Investment in mich selbst. Übrigens: auch an der Meisterschule gab es eine weitere Absolventin, die heute wahrscheinlich ebenfalls den Titel Industriemeisterin tragen wird. 

Claire-Michelle P. wird nachdenklich als sie von einer betriebsbedingten Kündigung im Jahr 2020 spricht und dass sie sich nicht vorstellen konnte nicht beschäftigt zu sein. Als zusätzliche zielführende Qualifikation identifizierte sie eine Schweißerausbildung zur Internationalen Schweißerin  im SLV Bildungszentrum Essen, das auf dem Gelände des Haus des Handwerks in Essen seit weit über 40 Jahren schweißtechnische Weiterbildungen anbietet.

SLV: Warum ausgerechnet die Qualifizierung zur Schweißerin?

C.M.: Aus der Arbeitslosigkeit heraus, macht die Entscheidung für die Schweißerausbildung absolut Sinn. Schweißtechnische Kenntnisse und Fertigkeiten ergänzen meine bisherigen Fähigkeiten und machen sie nahezu komplett. Es herrscht ein Facharbeitermangel. Besonders in der Metallbranche wird qualifiziertes Personal gesucht. Als schweißtechnisch geprüfte Bewerberin mit metalltechnischer Ausbildung und Erfahrung verbessere ich meine Berufschancen deutlich. Auch wenn ich im Augenblick die einzige Schweißerin in dem SLV Lehrgang in Essen bin, weiß ich, dass in jedem Jahr eine gewisse Anzahl Frauen einen Beruf als MetallerIn oder SchweißerIn wählen und in Arbeit gehen. Es funktioniert also! (Anm. d. Red.: Zum Zeitpunkt des Interview absolvierten drei Frauen eine schweißtechnische Ausbildung bei den SLV Bildungszentren Rhein-Ruhr)

SLV: Sie haben das Thema Vorurteile angesprochen. Haben Sie diesbezüglich Erfahrungen gemacht?

C.M.: Noch vor der schweißtechnischen Weiterbildung bewarb ich mich sich bei einigen Unternehmen als Industriemeisterin - ohne Erfolg. Die Hochphase der verflixten Corona-Pandemie hat die Lage am Arbeitsmarkt zu der Zeit ziemlich angespannt. Während Vorstellungsgesprächen entstehen naturgemäß urkomische Situationen, wenn die Frage aufgeworfen wird, ob ich mir die Arbeit zutraue und ich dann auf meine Erfahrung, Ausbildung und einen Meistertitel verweise. Grenzwertig wurde es, wenn ich zum Gespräch geladen wurde, nur um zu festzustellen, ob es mich wirklich gibt – also mich, die Industriemeisterin!

Im Berufsleben habe ich noch nicht die Erfahrung gemacht, mich nicht durchsetzen zu können. Auch diese Frage kommt regelmäßig. Im Metallbereich arbeiten wir schließlich nicht im luftleeren Raum, sondern gemeinsam an einem Ziel bzw. Auftrag. Dabei ist niemandem geholfen, wenn man gegeneinander arbeitet. (lacht) Vorurteile erleichtern das Denken und viel wichtiger ist es, die entsprechenden Schubladen beim Denken immer offen zu halten, um gute Entscheidungen treffen zu können.  

SLV: Ist körperliche Belastbarkeit ein Thema? 

C.M.: Klar, es handelt sich ja auch um körperliche Arbeit. Aber das ist ja in den meisten praktischen Berufen der Fall. Daraus eine Geschlechterfrage zu machen führt zu nichts. Schweres Industriegerät oder entsprechend großes Stahl-Rohmaterial hebt auch ein Mann ohne Hilfsmittel nicht alleine und für die schweißtechnische Arbeit in Zwangslagen braucht es eine gewisse Fitness und Erfahrung, die habe ich! Vielmehr brauchst du zum Schweißen viel Übung und das Gefühl für den Werkstoff sowie Geduld und eine ruhige Hand. Das sind definitiv geschlechtsunspezifische Kompetenzen! Fügt man die Fakten zusammen, gibt es für Metaller und Metallerinnen sowie Schweißer und Schweißerinnen mehr Verbindendes als Trennendes.

SLV: Was rufen Sie den Frauen zu, die einen metall- oder schweißtechnischen Beruf wählen wollen.

Als Mitglied des IHK Prüfungsausschusses Industriemechaniker-Anlagen-Maschinenbau vergebe ich angehenden Industriemechanikern den Gesellentitel, bisher ja noch immer viel zu wenigen Mechanikerinnen. Das darf sich ändern! Dafür ist es wichtig, dass auch Frauen in der Ausbildung tätig sind, die ebenso auf praktische Erfahrung zurückgreifen können.

Allen Frauen im aus- und weiterbildungsfähigem Alter sage ich: macht das! Eine Metall- und Schweißerausbildung ist eine gute Wahl!

Wählt einen Beruf, den ihr liebt, dann braucht ihr keinen Tag in eurem Leben mehr zu arbeiten. Denn: wenn der Beruf Spaß macht, geht alles leichter von der Hand.

Klar, wir reden im Jahr 2021 noch immer über Geschlecht, anstatt über Fähigkeit, Talent und Qualifikationen. Und sicher musste auch ich in den letzten Jahren immer mal wieder beweisen, dass ich meinen Job genauso gut erledigen kann, wie meine männlichen Kollegen. Dabei muss ja jedem Menschen klar sein, dass kein Mann und keine Frau einen Prüfungsabschluss geschenkt bekommen, sodass wir Frauen den direkten Vergleich nicht scheuen brauchen.

Als ausgebildete Anlagenmechanikerin, Konstruktionsmechanikerin, Industrie- oder Zerspanungsmechanikerin ist jede Frau eine ernstzunehmende Bewerberin.

SLV: Was sind Ihre nächsten beruflichen Pläne?

C.M.: Ich werde eine neue Beschäftigung finden. Unterstützung erhalte ich vom SLV Akquise Team. Ich habe Spaß an meinem Beruf. Selbst anpacken und andere an meinem Wissen teilhaben lassen. Das ist mein Ziel! Schließt sich eine Tür, geht immer irgendwo eine andere Tür auf.


Ansprechpartnerin: Meike Dau, +49 201 310075


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